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Kamel

Die Faser:

Kamele sind in Regionen beheimatet, im denen raue Wetterverhältnisse herrschen. Die Wolle soll die Tiere vor dieser Witterung schützen. Dadurch teilt sie sich in warme, weiche Unterwolle und robustes, langes Deckhaar. Da Kamele einen natürlichen Fellwechsel haben, müssen sie nicht zwangsläufig geschoren werden. Bei großen Herden wird es, aus Zeitgründen, aber trotzdem gemacht.

Meine Kamelwolle stammt von einer sehr kleinen Kamelherde und wird jedes Jahr im Frühling ausgekämmt.

Die Unterwolle ist recht kurz aber dafür sehr weich, so dass man sie direkt auf der Haut tragen kann. Das daraus gesponnene Garn gilt als sehr wertvoll. Die Deckhaare dagegen sind sehr lang und robust. Sie eignen sich höchstens für Teppiche, weshalb das daraus gesponnene Garn eher ein Nebenprodukt ist.

Die Vorbereitung:

 

Jedes Jahr im Frühling kaufe ich Kamelrohwolle bei der Haustierfarm in Leipzig an. Ich bekomme sie so, wie sie ausgebürstet wurde und arbeite sie in Handarbeit auf. Zuerst teile ich die Wolle in Unterwolle und Deckhaar. Da die Tiere einen sehr markanten Geruch haben und sich gern im Staub wälzen, pickere ich die Unterwolle vor dem Waschen mehrfach, damit der grobe Dreck herausfällt (natürlich muss der Woolpicker danach gründlich gereinigt werden). Bei dem Deckhaar ist das leider nicht möglich, da die Haare viel zu lang für den Picker sind. Durch ihre grobe Beschaffenheit, sammelt sich weniger Staub darin, so dass es auch nicht unbedingt nötig ist, sie vor dem Waschen zu pickern. Es reich völlig, sie auszuschütteln und große Pflanzenreste per Hand auszulesen.

 

Wenn die Wolle grob vorgereinigt ist, wasche ich sie mit Wollwaschmittel in Waschnetzen. Bis sie richtig sauber ist, braucht man mehrere Waschgänge. Danach lege ich sie zum Trocknen auf einen Wäscheständer. Während des Trocknens, werden die Wollflöckchen immer wieder auseinandergezupft, damit weitere Pflanzenreste und Einstreu herausfallen.

 

Nach dem Trocknen pickere ich die Unterwolle erneut und kardiere sie anschließend zu Vliesen. Da es sehr feine Wolle ist, benutze ich zum Kardieren ein Kardiergerät mit feiner Benadelung (104 ppsi). Anschließend werden verbliebene Pflanzenreste und Deckhaare nochmal per Hand ausgelesen, bevor die Unterwolle final zu Vliesen kardiert oder mit anderen Fasern gemischt wird.

 

Das Deckhaar lese ich direkt nach dem Trocknen per Hand aus, da die meisten Pflanzenteile schon in den vorangegangenen Schritten herausgefallen sind. Danach kardiere ich die Deckhaare mit einem gröberen Kardiergerät (48ppsi).

Das Spinnen:    

 

Die Unterwolle ist sehr kurz, wodurch das Spinnen nicht einfach ist. Bei der Aufarbeitung per Hand können durch die Kürze der Fasern kleine Knuppelchen in den Vliesen entstehen, die man entweder während des Spinnens aussortieren muss oder sie als besonderen Effekt ins Garn einspinnen kann. Bei industriell aufgearbeiteten Fasern entstehen diese Knuppelchen nicht, aber trotzdem würde ich diese Fasern nicht für Anfänger empfehlen.

Auch das Deckhaar birgt beim Spinnen einige Schwierigkeiten, da es sehr lang ist und man beim Ausziehen sehr viel Fingerspitzengefühl braucht, damit keine sichtbaren Knoten entstehen. Industriell aufbereitetes Deckhaar habe ich bisher noch nicht zum Kauf gefunden, wodurch ich diesbezüglich keinen Vergleich aufstellen kann.

 

Auch wenn es etwas schwierig ist, spinne ich Kamelwolle sehr gern. Am liebsten mag ich sie gemischt mit anderen Fasern und werde deshalb auch zukünftig mit verschiedenen Fasermischungen experimentieren.

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