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Die Bananenfaser

Die Faser:

Bananenfasern sind auch als Musafasern bekannt und werden aus dem Stamm der Bananenstaude gewonnen. Die Fasern aus der äußeren Hülle des Stammes sind sehr fest und robust, die Fasern aus der inneren Hülle sind sehr dünn und haben einen natürlichen Glanz.

Bananenfasern wurden schon im 13. Jahrhundert in Japan genutzt, wurden dann aber von Seide verdrängt. Heute werden die Fasern wieder beliebter, da sie sehr innovativ sind.

Für die Gewinnung der Fasern werden Bananenstauden verwendet, die nach der Bananenernte sowieso entsorgt werden, um den neuen Ablegern der Pflanze Platz zu machen. Es ist also eine Faser, die aus dem Abfall der Lebensmittelproduktion entsteht.

 

Da sie der Seide sehr ähnlich sieht, wird sie auch als Bananenseide bezeichnet.

 

Da ich mittlerweile sehr häufig darauf hingewiesen wurde, möchte ich hier erwähnen, dass es auch Viskose gibt, die aus Bananenpflanzen gewonnen wird. Und auch wenn die abgebildeten Bananenfasern sehr nach Viskose aussehen, so konnte mit der Verkäufer bestätigen, dass es sich um Fasern aus der Bananenstaude handelt und nicht um Viskose. Ein deutlicher Hinweis darauf ist auch, dass sich Viskosefasern sehr weich und anschmiegsam anfühlen, die Bananenfasern aber, trotz dass sie sehr glatt sind, sich eher fest anfühlen. Im direkten Vergleich ist der Unterschied tatsächlich gut spürbar.

Das Spinnen:

Es war das erste Mal, dass ich überhaupt eine Pflanzenfaser versponnen habe und es war eine sehr interessante Erfahrung. Da die Bananenfasern sehr lang und gleichzeitig sehr fest sind, war das Ausziehen anfangs etwas schwierig und auch das Gefühl der Fasern zwischen den Fingern war gewöhnungsbedürftig. Sie waren nicht weich und kuschelig, sondern sehr glatt und fest. Schon wenig Drall reicht, um ein haltbares Garn zu bekommen.

 

Ich habe die eine Hälfte mit dem Spinnrad und die andere Hälfte mit der Handspindel gesponnen. Nachdem ich mich an das ganz neue Gefühl gewöhnt hatte, war es ein sehr angenehmes Spinnen. Das Garn auf dem Spinnrad habe ich navajogezwirnt und das Garn auf der Handspindel habe ich zweifädig gesponnen, da ich ausprobieren wollte, wie dünn sich diese Fasern wirklich spinnen lassen. Es ist wirklich erstaunlich, wie gleichmäßig dünn Bananenfaser gesponnen werden kann, ohne zu reißen.

 

Das fertige Garn hat einen schönen Glanz und ist sehr fest, ohne zu kratzen. Ich habe versucht den einfach gesponnenen Faden zu zerreißen, habe es aber nicht geschafft. Das Teilen des Garns ist mit bloßen Händen nicht möglich. Bananenfasern wird nachgesagt, dass sie schwer entflammbar sind und das musste ich natürlich an einem kleinen Stück ausprobieren. Leider hat es sich nicht bestätigt. Sobald das Feuerzeug in die Nähe der Fasern kam, brannten sie wie Zunder.

 

Diese Faser ist meiner Meinung nach für Spinnanfänger nicht geeignet. Für Fortgeschrittene ist sie eine sehr interessante Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte.

 

 

Zum Schluss habe ich noch einen Filmtipp zu diesem Thema für euch: „Feine Stoffe, ferne Länder-Japan“. In dieser Doku wird die ursprüngliche Gewinnung und Verarbeitung der Bananenfaser gezeigt. 

Kommentare: 8
  • #8

    Lothat (Donnerstag, 25 Januar 2024 17:14)

    Hallo liebe Garnspinnerin,
    ich komme aus Deutschland und wohne seit einigen Jahren in Peru.
    Ich bin dabei ein grösseres Projekt mit der Verwertung von Bananenstämmen zu starten.
    Ich habe von allen Institutionen grünes Licht bekommen.
    Jetzt geht es mir darum erst mal die Fasern herzustellen und daraus Fäden und dann Gewebe herzustellen.
    Bin für jeden Tipp dankbar.
    Mir geht es in der Basis darum den Bananenbauern hier zu mehr EInkommen zu verhelfen und für die Umwelt was Gutes zu tun... Liebe Grüsse Lothar Müller

  • #7

    Wolken Reich (Freitag, 28 Februar 2020 12:57)

    Bitte mehr davon, das ist ein sehr schönes informatives Faserlexikon! Danke!

  • #6

    Maimuna (Montag, 25 Februar 2019 10:43)

    Vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht. Ich hatte die Doku über die Spinnerin in Japan gesehen und als ich Bananenfaser bei einem Anbieter sah, gleich bestellt um es auszuprobieren. Bin mit der Handspindel darangegangen und war nicht glücklich damit. Faden viel zu dick und hart. Dein Beitrag macht Mut, es noch einmal zu versuchen. Die Stränge sehen toll aus. Die Kimonos aus Banane waren auch traumhaft schön ... also auf ein Neues.

  • #5

    Die Garnspinnerin (Donnerstag, 03 Januar 2019 15:08)

    Ihr Lieben, ich danke euch für die netten Kommentare und freue mich, wenn euch der Eintrag gefällt.

    Liebe Silvia Künzli, diese Fasern habe ich bei "Das Wollschaf" gekauft und kann es nur weiter empfehlen. Waschen kann man die Faser wie jede andere handgesponnene Faser auch. Es ist natürlich immer empfehlenswert, sie per Hand zu waschen, auch wenn Bananenfasern nicht filzen. So kannst du aber sicher gehen, dass dem Garn oder dem fertigen Produkt nichts passiert. ;-)

  • #4

    Silvia Künzli (Dienstag, 01 Januar 2019 17:09)

    Mit grossem Interesse habe ich den Beitrag über die Bananenfaser gelesen. Ich bin noch Anfängerin, habe aber schon diverse Fasern ausprobiert. Meine Frage dazu :wo bekommt man diese Fasern und kann man sie waschen? �

  • #3

    Monika (Montag, 24 Dezember 2018 09:25)

    Danke für den interessanten Beitrag. Ich interessiere mich sehr für die verschiedenen Fasern, probiere derzeit viel aus und versuche dazu zu lernen. Spinnen und der Umgang mit Fasern ist ein wundervolles Handwerk! Bestimmt schaue ich öfter vorbei ...

  • #2

    ursa (Sonntag, 23 Dezember 2018 18:19)

    Hi, ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Denn ich musste auch erst lernen , was kardieren bedeutet. Mich wirst du als regelmäßigen Gast auf deinen Seiten finden.

  • #1

    Melin (Sonntag, 23 Dezember 2018 16:50)

    Danke für den äußerst intersannten Blog und den Film-Tipp. Japan fehlte mir aus der Serie. Die anderen Teile hatte ich im Fernsehen 'eewischen" können.